Lektorat macht Lesen leichter

Der Texttreff, das Netzwerk wortstarker Frauen, veranstaltet jährlich kurz vor Weihnachten ein Blogwichteln. Die teilnehmenden Bloggerinnen werden einander zugelost und beschenken sich gegenseitig mit einem Gastartikel. Eine tolle Sache, die schon spannende Zusammenstellungen hervorgebracht hat! Ich bin mit meinem noch jungfräulichen Blog zum ersten Mal dabei und freue mich, den Gastbeitrag meiner lieben Texttreff-Kollegin Heike Baller hier zu veröffentlichen. Es geht darin, wie passend!, um die Vorteile eines professionellen Lektorats.

Als Leserin mag ich nicht aufs Lektorat verzichten: 
Ein paar Gedanken von einer Vielleserin

Uns allen geht mal ein Tippfehelr (sic!) durch – kein Problem, im Grunde. Häufen sie sich jedoch im Buch, wechselt es ständig fehlerhaft zwischen „Sie“ und „sie“, passen Bildunterschriften nicht, fallen mir sachliche Fehler auf, dann trübt das meinen Spaß am Lesen empfindlich.

Mein schlimmster Fall war mal eine Bildunterschrift, bei der der Vorname des Malers mit dem des Dargestellten verwechselt worden war. Ich habe diese Zeile gelesen und sofort gedacht: „So hieß er nicht!“ Kurzes Nachschlagen zeigte: So hieß er tatsächlich nicht. In dem Falle war dann Wikipedia gleich doppelt hilfreich, weil das Bild dort auch vorlag – mit dem Namen des Malers.

Da in dem Buch dann noch der Name einer anderen wichtigen historischen Person uneinheitlich geschrieben war – in einem Umfang von maximal zehn Seiten drei Mal und gleich in drei Versionen! –, die Angabe von Zahlen im Text von der in einer Bildunterschrift abwich, hatte ich gar keine Lust mehr auf das Buch. Ich habe dem Verlagsmenschen meine „Rezensionsverweigerung“ mit Begründung gemeldet – er wollte das ans Lektorat weitergeben. Ja, in dem Haus gab es ein eigenes Lektorat … Schade drum, es war so ein spannendes Thema!

Das richtig Blöde daran ist: So einen Verlag nehme ich nachher nicht mehr richtig ernst. Wer sich solche Schnitzer leistet, bei dem ist mein Vertrauen dann futsch. Gerade bei Sachbüchern will ich nicht jeder Einzelheit selber hinterherrecherchieren müssen, sondern mich auf die Darstellung und Diskussion der Inhalte konzentrieren.

Und auch beim Autor hatte ich so meine Zweifel. Mein etwas boshafter Kommentar war, das lese sich wie eine unredigierte Zusammenstellung von Blogbeiträgen aus einem längeren Zeitraum. Als ich ein weiteres Buch von ihm zur Besprechung vorliegen hatte, bin ich mit großer Skepsis drangegangen – doch das war völlig in Ordnung. Ich weiß jetzt tatsächlich nicht mehr, ob es in einem anderen Verlag erschienen ist …

Lektorat macht Lesen leichter.

Deshalb – hier auf der Seite einer Lektorin! – noch mal mein Appell: Lasst das Lektorat nicht schleifen! Es ist kein Nice-to-have, sondern ein Must-have. Das gilt für Verlage wie für Selfpublisher. Ja, das kostet. Aber „kein Lektorat“ kostet noch mehr – nämlich Leserinnen und Leser.

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Heike Baller liest und liest und liest vor – in ihrem Blog „Kölner Leselust“ frönt sie ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung. Ansonsten ist sie als Rechercheurin unterwegs und bietet Seminare rund um Internet- und Literaturrecherche an (https://www.profi-wissen.de/).