Es ist wieder Blogwichtelzeit. Jedes Jahr veranstaltet der Texttreff – das Netzwerk, das wortstarke Frauen zusammenbringt – rund um Weihnachten das Blogwichteln. Bloggende Teilnehmerinnen kommen in einen Lostopf und beschenken die zugeloste Textine mit einem Gastbeitrag. Dieses Jahr hat die Losfee mich mit Barbara Stromberg zusammengeführt. In ihrem Blog schreiben-als-beruf gewährt sie einen umfassenden und inspirierenden Einblick in die  Welt des professionellen Schreibens, gibt hilfreiche Ratschläge und listet Weiterbildungsangebote auf. In ihrem aktuellen Projekt 365schreibtipps kommen viele erfahrene Texterinnen mit hilfreichen Tipps zum Thema Schreiben zu Wort. Reinschauen lohnt sich also. Und hier ihr Beitrag:

Warum ein zweiter Kopf wichtig ist

Jeder, der schreibt, kennt das: Man liest den Text einmal, zweimal, dreimal durch – trotzdem gelingt es nur den wenigsten, die eigenen Texte fehlerfrei abzuliefern. Das geht selbst Profischreibern so.

Eine mögliche Erklärung: Kaum ist der Text durch die Tür, fängt er sich Fehler ein, die eben noch nicht da waren.

Eine andere: Es braucht immer mindestens zwei Köpfe, die einen Text durchdenken, und mindestens vier Augen, die ihn sich anschauen.

Möglichkeiten, in einen noch so kurzen Text mehr oder minder offensichtliche Fehler einzubauen, gibt es genug.

Schreibt man das so?

Der Klassiker. Heißt es „wage“ oder „vage“? Ist es „zu schreiben“ oder „zuschreiben“? Dass oder das, als oder wie, ss oder ß? Uff! Selbst der beste Lektor, die beste Lektorin wird nicht alles wissen, aber wer tagtäglich Fehlern zu Leibe rückt, kennt die Fehlerquellen genau. Und so werden auch Schreibfehler enttarnt, die man selbst gar nicht kannte oder nicht bemerkte.

Kennt man das so?

„In meinem Kopf hat das alles noch Sinn gemacht.“ Typisch. Und dann liest jemand anders den Text und hat genau an der Stelle Fragezeichen in den Augen, über die man selbst lässig hinweggaloppiert ist. Das hat meistens nichts mit dem Intellekt zu tun, sondern mit der Erfahrungswelt, die bei jedem Menschen eine andere ist. Menschen meines Fachs brauche ich nicht zu erklären, was Boilerplate, Teaser oder Schusterjungen sind. Bei vielen anderen verliert sich die Logik, der rote Faden, die Argumentation, der der Text folgt, womöglich an dieser Stelle, weil sie sich darunter nichts vorstellen können. Lektoren merken das, denn sie haben die Zielgruppe immer im Blick.

Ist das so logisch?

Ganz gleich, ob es um Rezepte, Anleitungen oder wissenschaftliche Texte geht – eine schlüssige Logik erleichtert das Lesen und somit das Umsetzen des Gelesenen. Gute Lektor:innen schaffen es, fehlende Teile zu entdecken, die auf dem Weg vom Kopf des Autors aufs Papier verloren gingen, aber wichtige Elemente für das Verständnis sind.

Passt das so?

Welche Szene sollte besser an den Anfang, um mehr Spannung zu erzeugen? Wo kann mehr Tempo rein? Was braucht mehr Details?

Auch hier sind erfahrene Lektor:innen Gold wert, denn sie kennen die Tricks und Techniken der Schreibkunst. Und diese Ideen machen  nicht nur Belletristik besser, sondern auch jeden anderen Text.

Und auch mit den Stilen kennen sie sich aus. Feature, Exposé, Gutachten, Katalogtexte, Pressemitteilungen – Dutzende Stilformen gibt es und alle folgen eigenen Regeln.

Sagt man das so?

Je nach Zugehörigkeit zu einer Dialektgruppe, die in Deutschland gesprochen wird, gibt es Wörter oder Satzkonstruktionen, die man selbst völlig normal findet – der Rest Deutschlands dafür aber nicht unbedingt. Etwa „Ich bin am Arbeiten“ oder „Ich geh nach dem Bäcker“ oder „Komm mal bei mich.“

Mein Tipp: Suchen Sie sich jemanden mit fachlicher Kompetenz, der aus einer ganz anderen Ecke kommt als Sie – dann fallen solche regionalen Besonderheiten nicht durchs Dialektraster.


Die Autorin

Barbara Stromberg schreibt seit 25 Jahren Texte. Erst als Redakteurin bei Tageszeitungen und Wirtschaftsmagazinen, später als Texterin für Unternehmen. Auch ein Dutzend Bücher hat sie als Ghostwriterin oder Autorin mit Inhalten gefüllt – und immer war sie froh um ein zusätzliches Paar Augen, das über den Text schaut, bevor er raus in die Welt geht.

Ihre Erfahrung: Feedback einholen von den richtigen Profis – das macht das Ergebnis besser.

Ein Grund mehr für sie, zusätzlich eine Fortbildung für Konzeption und Moderation von agilen Workshops zu absolvieren und als Facilitator Unternehmen dabei zu begleiten, im Team bessere Lösungen und Strategien zu entwickeln.

Texte: www.textorama.de

Workshops: www.ellys-ocean.de